Baja California - Einleitung


Baja California (Niederkalifornien) ist eine im Nordwesten Mexikos zwischen dem 35. und 23. Grad nördlicher Breite gelegene schmale und langgezogene Halbinsel mit einer Länge von 1.300 km und einer durchschnittlichen Breite von 100 km. Sie ist damit etwa doppelt so lang wie Florida und selbst ausgedehnter als Italien. Im Norden grenzt Baja California an den US-Staat Kalifornien und im Nordosten an den mexikanischen Bundesstaat Sonora. Westlich wird das Gebiet vom Pazifik und im Osten vom Mar de Cortés (Golf von Kalifornien) flankiert. Letzteres ist ein Unterwasserparadies und besonders gut geeignet, Wale zu beobachten.

Baja California bedeckt eine Fläche von ca. 70.000 km. Die Mehrzahl der ca. 2,7 Mio. Einwohner lebt in Tijuana, der größten und bekanntesten Stadt der Halbinsel, sowie in der Hauptstadt Mexicali. Beide Städte liegen im Norden, direkt an der Grenze zu den USA. Seit 1976 verbindet die einzige asphaltierte, aber nur wenig befahrene Straße, die Carretera Transpeninsular, den Norden mit dem Süden. Sie schlängelt sich von Tijuana vorbei an traumhaften Buchten, paradiesischen Oasen, Gebirgszügen mit Felsschluchten, weitläufigen fast unberührten Landschaften und einsamen Siedlungen hinunter bis zum südlichsten Punkt der Halbinsel bei Cabo San Lucas.

Tektonische Kräfte haben Baja California vor Jahrmillionen vom Festland losgerissen. Eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren wurde damit praktisch von der alten Heimat abgeschnitten. Durch die Isolation entstanden dann im Laufe der Evolution viele neue Arten. Von den ca. 3.000 in Baja California registrierten Spezies gelten etwa 800 als endemisch, d.h. sie kommen natürlicherweise nur hier und sonst nirgendwo auf der Welt vor. Im Gesamtgebiet gibt es nur wenige gebietsübergreifende Arten.

Die abwechslungsreichen Landschaftsformen reichen über Sandstein und Kalk im Norden, Flugsande in Tälern, Sanddünen, Salzpfannen in Niederungen und in Gebieten ohne Wasserabfluss, Basalt in weiten Teilen der Halbinsel und Granit im Zentrum von Baja California. Von den flachen Küstenregionen im Nordwesten steigt die Landschaft nach Osten bis in eine Höhe von über 3.000 m an, wobei sich Bergzüge mit dazwischen liegenden Becken abwechseln. Der höchste Berg ist der "Picacho del Diablo" in der Sierra San Pedro Martír.

Im 18. Jahrhundert war das Gebiet Tummelplatz von spanischen Missionaren, deren abgelegene Missionen mancherorts bis heute erhalten geblieben sind. 1804 wurde die Halbinsel vom nördlichen Kalifornien abgetrennt, welch letzteres dann 1850 von den Vereinigten Staaten von Amerika annektiert wurde.

Baja California ist durch eine große klimatische Diversität gekennzeichnet. Diese ist zum einen auf die Länge der Halbinsel und zum anderen auf die Vertikalausdehnung mit verschiedenen Höhenstufen und mesoklimatischen Varianten zurückzuführen. In Abhängigkeit davon haben sich eine Reihe von Vegetationsformationen entfaltet. Sie sind Bestandteil zweier Florenregionen: eine mit starken holarktischen Tendenzen und eine neotropische.

In der mediterranen Region (holarktisch) wechseln milde, feuchte Winter mit heißen trockenen Sommern. Sie liegt im Nordwesten und erstreckt sich vom Pazifik bis zu den Gebirgszügen Juarez und San Pedro Martir. Nebel erhöht v.a.während der trockenen Jahreszeit als wichtiger klimatischer Faktor das Feuchtigkeitsangebot. Hauptblütezeit - besonders die der Annuellen - ist der Frühling. Es werden hier mehrere Vegetationsformen unterschieden: Salzmarschen, Dünen, Küstengebüsch, Chaparral und Nadelwälder.

Salzmarschen findet man an fast allen Küstenabschnitten, v.a. im Bereich der Gezeiten und kleiner Seen. Die hier wachsenden Pflanzen sind niedrigwüchsig, sukkulent und halophil. Die ebenfalls entlang der gesamten Küste verbreiteten Dünen sind endemitenreich, und durch sukkulente Pionierpflanzen geprägt. Die Vegetation ist oft verzahnt mit Pflanzen der Küstengebüsche und Marschen. Die meist niedrigwüchsigen Küstengebüsche vermitteln zwischen Sukkulentenbusch und Chaparral und reichen mancherorts auch weit landeinwärts.

Der Chaparral zeigt viele physiognomische Gemeinsamkeiten mit der mediterranen Hartlaubvegetation. Die hier wachsenden Pflanzen sind durch immergrüne, kleine, harte und trockenresistente Blätter gekennzeichnet. Leitart ist Adenostoma fasciculatum. Die Formation grenzt einerseits an die Küstengebüsche und steht landeinwärts in Korrespondenz mit den Nadelwäldern. Diese findet man in den kühleren Bergregionen oberhalb 1.500 m, vorzugsweise im Norden in den beiden größeren Gebirgszügen Juarez und San Pedro Martir. Weitere Bestände sind in den Gebieten Santa Isabel, Yubai, San Borja sierras, Sierra Blanca, Cedros und Guadalupe Islands und im Erendira Common Land anzutreffen. Den Nadelwäldern der tieferen Lagen sind vielerorts Eichen beigemischt. Unter den Koniferen dominieren v.a. Kiefern, in anderen Bereichen auch Vertreter aus den Gattungen Juniperus, Cupressus und Calocedrus.

Etwa 70% der Fläche von Baja California korrespondiert pflanzengeographisch aufs Engste mit der Sonora-Wüste (neotropisch). Dabei handelt es sich nicht eigentlich um echte Wüsten, sondern vielmehr um einen üppigen Sukkulentenbusch, in dem Wasser speichernde Pflanzen dominieren. Der durchschnittliche Deckungsgrad der Perennen beträgt hier ca. 30-40%. Bei echten Wüsten oder Halbwüsten beträgt die Bedeckung des Untergrundes durch Vegetation deutlich weniger. Sie spielen hier also nur eine untergeordnete Rolle.

Die Jahresdurchschnittstemperaturen im neotropischen Bereich bewegen sich von 20 bis 25°C. Die Niederschlagswerte schwanken zwischen 100 und 400 mm pro Jahr und verteilen sich auf zwei Regenzeiten, eine im Winter und eine im Sommer. Dabei herrschen während der Sommerregenzeit innertropische Verhältnisse mit hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit vor. Ansonsten sind die Verhältnisse eher arid bis semiarid. Diese klimatische Konstellation ist in besonderem Maße in der sogenannten "Central Desert" realisiert, einem Gebiet, das sich in der Mitte von Baja California über 400 km Länge und 120 km Breite erstreckt. Es ist insgesamt floristisch besonders interessant und physiognomisch ein überaus variables und artenreiches Gebiet.

Die hier wachsenden Pflanzen müssen über besondere Eigenschaften verfügen, um unter den wechselhaften klimatischen Bedingungen zu überleben. Ein Musterbeispiel hierfür ist Idria columnalis, die in Abhängigkeit von den Niederschlägen mehrmals im Jahr das Laub wechselt. Entscheidend für den gesamten Entwicklungsgang der Art sind Sommer- und Winterregen mit dazwischenliegenden Dürrezeiten. Dieser gleichartige zwei Mal jährlich wiederkehrende Rhythmus ist besonders wichtig für den empfindlichen Jungwuchs. Die Keimung erfolgt nach Sommer- oder Winterregen, aber allein die Intensität des Sommerregens ist entscheidend über das Aufkommen oder Sterben von Jungpflanzen. Andere auffällige Sukkulente sind hier Fouquieria splendens, Pachycormus discolor, Agave shawii, Yucca valida und Pachycereus pringlei nebst zahlreichen anderen Kakteen.

Ansonsten zeigt sich die Trockenvegetation der Halbinsel als recht uneinheitlich. Im Nordosten erweisen sich die niederen Berglagen bis etwa 1000 m Höhe als vergleichsweise feucht. In der hier reichen Vegetation sind Sträucher wie Larrea tridentata und Dalea spinosa auffällig. Die daran anschließenden südlichen Bereiche werden insbesondere durch eine Reihe von Kakteen bestimmt. Aufgrund der speziellen klimatischen Situation im zentralen und südlichen Teil von Baja California zeigt der Sukkulentenbusch einen wieder anderen Aspekt.

Unter den zahlreichen Sukkulenten gibt es allein etwa 120 verschiedene Kakteenarten, knapp die Hälfte davon sind endemisch. Manche erreichen riesige Ausmaße. Der König unter ihnen und die größte Kaktusart überhaupt ist Pachycereus pringlii. Die eindrucksvollsten Exemplare erheben sich in meist abgelegeneren Gegenden und unwegsamem Gelände. Auf einem mächtigen Stamm fußend können sie bis zu 20 m Höhe erreichen und bis zu zehn Tonnen schwer werden.

In der südlichen Zone erscheint eine ziemlich artenarme Vegetation savannenartigen Charakters, die vielerorts von Tillandsia recurvata überzogen wird. Landeinwärts dominieren Agaven und Dudleya-Arten, ferner Idria columnaris und Pachycormus discolor.

Die biogeographisch wertvollsten Gebiete wurden als Biosphären Reservate, Nationalparks, Naturmonumente, Schutzzonen bedeutender Naturressourcen, besondere Schutzzonen für Tiere und Pflanzen und staatliche Naturreservate ausgewiesen. Insgesamt bietet Baja California Natur pur und erweist sich als Dorado für ausgedehnte Wanderungen, Exkursionen und Expeditionen. Es ist ein wahres Sammelbecken für skurrile Pflanzen mit unzähligen Fotomotiven, die das Herz eines jeden Naturliebhabers und Abenteurers höher schlagen lässt.
Baja California, Niederkalifornien H A U P T S E I T E G E B I E T S B E S C H R E I B U N G P F L A N Z E N B E S C H R E I B U N G E N B I L D Ü B E R S I C H T F O T O S E R I E Pflanzenbeschreibungen: Agave shawii, Cuphea micropetala, Cochlospermum vitifolium